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Lebenskunst und Pragmatismus

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Vom Vorteil pragmatisch zu handeln?

Vor einigen Jahren warb die Wochenzeitung Die Zeit auf Plakaten, die ihren rauchenden Mitherausgeber Helmut Schmidt als den Denker bezeichneten. Als Zeitzeuge seiner Kanzlerschaft musste man sich verwundert die Augen reiben. Damals galt er als Pragmatiker, der sich immerhin auf den Philosophen Karl Popper berief. Doch auch das schien damals weniger von philosophischem Tiefgang zu zeugen. Denn einerseits wehrte er sich mit dem Marxismuskritiker Popper gegen die damaligen nach68er Linksradikalen. Andererseits zählt Popper nicht gerade zu den Philosophen mit eminent schwierigen Theorien.

Wie konnte Helmut Schmidt vom Pragmatiker zum Denker mutieren? Das musste einerseits an der Vergesslichkeit der Zeitgenossen liegen. Andererseits hat sich der Pragmatismus in den letzten Jahrzehnten nicht nur in Deutschland weit verbreitet – man denke an Tony Blair und Bill Clinton, in Deutschland an Gerhard Schröder, Angela Merkel und Joschka Fischer. Unter diesen erscheint der elder statesman Helmut Schmidt geradezu als Denker.

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Deutschlandradio DLF
Büchermarkt,
21.10.2015, 11 Min.
Zu: Philipp Felsch, Der lange Sommer der Theorie – Geschichte einer Revolte 1960-1990, C.H. Beck, München 2015 Deutschlandradio Icon
Uebermensch
Der Übermensch als Lebenskünstlerin - Nietzsche, Foucault und die Ethik

ISBN 978-3-88221-667-7  Verlag Matthes & Seitz

Nietzsche gab auf den Wertewandel seiner Zeit mit dem Übermenschen eine perspektivische Antwort: er riet, der einzelne solle aus seinem Leben ein Kunstwerk machen. Foucault ästhetisierte diese Forderung, er riet, sich nicht allgemeinen Moralcodes zu unterwerfen, sondern sich eigene Regeln zu schaffen, sich selbst auch das Geschlecht zu wählen. An die Stelle von Nietzsches Übermensch tritt die Lebenskünstlerin, die einen eigenen Machtwillen durch Selbstdisziplin und Selbstbeherrschung entwickelt und sich nicht einem herrschenden Moralcode unterordnet. In ihr entsteht eine individuelle Macht, als eine Macht über sich selbst, die ein neues Moralsubjekt konstituiert. Der Übermensch als Lebenskünstlerin braucht den anderen Menschen, aber nicht als anonyme Gemeinschaft, sondern als anderen Lebenskünstler. Der kulturelle Wandel, der sich durch Emanzipation, neues Umweltbewusstsein und Hedonismus äußert, ist nicht aufzuhalten und führt zu neuen ethischen Werten und neuen Lebensformen.

Rezension 1