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Philosophie der Emanzipation

Der Blick der anderen  -  Sartre als politischer Philosoph im 21. Jahrhundert

Postdemokratie heißt das von Colin Crouch 2008 in die politisch philosophische Debatte geworfene Wort, das einige Resonanz erfuhr. Mal abgesehen davon, dass die westliche Welt weder im 20. noch im 19. Jahrhundert viel demokratischer war als am Beginn des 21. – was Jan-Werner Müller 2013 vorführte – sind die westlichen Demokratien und nicht nur diese seit den siebziger Jahren doch erheblich partizipatorischer geworden: die Umweltbewegung, die Anti-AKW-Bewegung, die Frauen-Bewegung, die Friedensbewegung und die Bürgerrechtsbewegung in Osteuropa, der arabische Frühling, der nach Asien, Südamerika und Russland ausstrahlt, Proteste in Griechenland, Spanien, Portugal und Italien gegen die Sparpolitik ihrer Regierungen. Wenn man Demokratie nicht auf Repräsentation beschränkt, sondern die Bürgerbeteiligung für wichtig hält, dann ist die Demokratie schwerlich postdemokratischer geworden.

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HMS Prof. Dr. Hans-Martin Schönherr-Mann, Professor für politische Philosophie, erklärt uns den Begriff der Freiheit.
www.my-freedom-is.com
Internationales Filmprojekt
04.06.2012
0209-media
GewaltMachtindividuellerWiderstand
Gewalt, Macht, individueller Widerstand

ISBN 978-3-8487-1900-6  Nomos-Verlag

Im Zentrum der Reihe Staatsverständnisse steht die Frage:
Was lässt sich den Ideen früherer und heutiger Staatsdenker für ein zeitgemäßes Verständnis des Staatesentnehmen? Obwohl sich der emanzipatorische Existentialismus dem Widerstand in Frankreich gegen die deutsche Besatzung verdankt, findet er wenig Beachtung in der politischen Philosophie, die Camus, de Beauvoir oder Bataille als unpolitisch, romantisch,pubertär und obszön abtut. Zurecht beschuldigt man ihn des Individualismus. Denn der Existentialismus geht von einem Primat des Individuums gegenüber dem Staat aus, was keinem Vertrag, sondern der individuellen Widerständigkeit entspringt. Daraus entsteht politische Macht, während undemokratische Staaten darauf zumeist mit Gewalt reagieren. So entwickelt sich ein hochaktuelles Staatsverständnis, wie es sich als partizipatorische Demokratie im späten 20. Jahrhunderts verbreitet. Dieses Staatsverständnis vertreten vor allem die französischen emanzipatorische Existentialisten, findet sich aber auch bei Randgängern wie Arendt und Bataille und kann sich auf Wegbereiter wie Kierkegaard und Stirner sowie Nietzsche berufen. Ein metaphysisch religiöser Existentialismus von Marcel, Jaspers,Cioran oder am Rande Heidegger und als Vorläufer Bergson insistiert auf einem traditionellen Staatsverständnis, das lebens- oder seinsphilosophisch renoviert wird. Der Band führt vor, dass die Nachwirkungen des verfemten Existentialismus politischer sind, als dessen spärliche, teilweise fragwürdige Rezeption heute glauben machen möchte.
Camus
Albert Camus als politischer Philosoph

ISBN 978-3-902936-67-7   University Press  (Verlag)

Camus wurde nicht erst zum 100. Geburtstag als jemand interpretiert, dem esum die allgemeine Lage des Menschen in der Welt ginge und der der modernenKultur das einfache Leben vorziehe, also als ein literarisch orientierter Heidegger,konservativ und bodenständig. Doch Camus‘ Denken ist in die Problemeseiner Zeit verstrickt, die primär politischen Charakter haben. Bereits DerFremde kritisiert eine präfaschistische Gesellschaft. Der Mythos von Sisyphos
entwickelt unter Zensurbedingungen die Philosophie des Widerstands, nimmtCamus am Existentialismus teil, der sich eindeutig links positioniert. Doch einekommunistische Orientierung lehnt er ab und entwirft in Der Mensch in der
Revolte ein Gegenmodell zur proletarischen Revolution. Stattdessen orientierter sich am seit der Moderne immer wieder sich auflehnenden Menschen undantizipiert damit die vielen Bürger- und Protestbewegungen der zweiten Hälftedes 20. Jahrhunderts bis heute, denen es nicht mehr um die große Revolution,sondern um Emanzipation und Vielfalt geht. Wie Sartre und de Beauvoirmacht er das Individuum verantwortlich für sein Leben und diagnostiziertdadurch politische wie private Spielräume, die den Vertretern religiöser undpolitischer Hierarchien und fester sozialer Institutionen – gleichgültig ob katholisch,kommunistisch, national oder liberal eingestellt – bis heute ein Dornim Auge bleiben. Neben seinen philosophischen Arbeiten hat Camus herausragendeliterarische Werke geschrieben, die alle philosophische und politischePerspektiven bzw. das gesellschaftlich bedingte Leiden beredt werden lassen.Daher ist Camus politischer Philosoph in der Nähe von Theodor Adorno, Hannah Arendt und Michel Foucault. Sie tragen zu einer demokratischen Wendeder politischen Philosophie bei, die die Hoffnung auf souveräne wie sozialeGewalt verabschiedet.
Simon de Beauvoir
Simon de Beauvoir  und das andere Geschlecht

ISBN 978-3-423-24648-4 DTV

Zum 100. Geburtstag von Simone de Beauvoir am 9. Januar 2008
Mit ihrer Kritik am traditionellen Frauenbild hat Simone de Beauvoir Denken und Leben zahlreicher Frauen verändert. Im Mittelpunkt dieser Einführung in Leben und Werk steht ihr berühmtestes Buch, ›Das andere Geschlecht‹, über die Lage der Frauen in der westlichen Welt. Sie kam zu dem Schluss, dass die engen Grenzen des »Typisch Weiblichen« von der Gesellschaft bestimmt sind, und fasste dies in der damals sehr provokanten These zusammen, dass man nicht zur Frau geboren, sondern zur Frau gemacht wird. Sie lehnte weder die Liebe…mehr

Rezension 1
Sartre
Sartre  Philosophie als Lebensform

ISBN 9783406511387 C.H.Beck Verlag

Jean-Paul Sartre, dessen Geburtstag sich am 21. Juni 2005 zum hundertsten Male jährt, hat durch sein Denken und sein Engagement eine ganze Epoche geprägt. Hans-Martin Schönherr-Mann stellt Sartres intellektuelle Existenz vor und führt den Leser durch Sartres Werk. Er wird dabei von der Frage geleitet, inwieweit Sartres Philosophie und Lebensform des Existenzialismus Antworten auf die aktuellen Probleme im Zeitalter der Globalisierung und Individualisierung zu geben vermag.

Rezension 1