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Salon

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Der philosophische Rau(s)chsalon

Der 51. philosophische Rau(s)chsalon fand am 4. Juni 2016 statt. Seit dem 1. Dezember 2012 ist sein Ort die Baumannstr. 13 in Bernau am Chiemsee, nicht mehr die Rumfordstr. 11A in München.

Sein Titel verdankt sich dem bayerischen Rauchverbot, startete er am 31. Januar 2008. Das Rauchen darf der eine oder die andere natürlich gelegentlich unterbrechen und niemand wird gegen seinen Willen gezwungen, Wein zu trinken. Es gibt auch Wasser und seit einiger Zeit sogar Kleinigkeiten zum Essen, d.h. wir nähern uns langsam der Tradition des Salons aus dem 18. Jahrhundert an. Sicher, es ist noch ein weiter Weg dorthin.

Seit der Salon in Bernau am Chiemsee stattfindet, beginnt er samstags um 17h mit Kaffee, Tee und Gesprächen auf dem Balkon mit dem Blick auf die Kampenwand. Die Teilnehmer fahren mit dem Auto oder treffen sich am Bahnhof. Eduardo Rotstein verglich die Fahrt nach Bernau mit einer Pilgerfahrt. Aber im Salon geht es nicht um Glauben – das wollen wir wenigstens hoffen –, sondern um den zwanglosen Zwang des besseren Arguments, wenn es denn so einfach wäre, wenn nicht häufig heftig gestritten würde, wenn nicht gelegentlich richtiges Unvernehmen herrschte – nein die Revolution ist das nicht, nur der schlichte Sinn der Gesprächskultur, selbst wenn man sich ein harmonisches Vernehmen wünschte. Gegen 18.30h beginnt der Vortrag, dem keine zeitlichen Vorgaben gemacht werden – er darf auch kurz sein – und über den im Anschluss auch so lange diskutiert wird, wie es den Teilnehmern gefällt, bis die Diskussion in kleine Gruppen zerbröselt. Das kann aber Stunden dauern.

Zum Vortrag gibt es Wein und manche rauchen Zigarren. Der Salon ist für die Gäste gefährlich, geht es schlicht weder um das Körper- noch das Seelenheil, wird auf beide keine Rücksicht genommen, sowenig wie auf die Moral oder die Wahrheit, die sich beide nicht nur der Kritik, sondern vor allem auch der Genealogie ausgesetzt sehen. Natürlich darf man sowohl moralisch sein wie die Wahrheit kennen.

Der Salon ist eine geschlossene Gesellschaft. Anfragen aus den Medien daran teilzunehmen werden abgelehnt. Der Stamm der jeweils gut 20 von mir eingeladenen Teilnehmer hat sich selbstverständlich in den neun Jahren des Bestehens des Salons verändert. Die meisten stammen aus der Region München, einige aus Innsbruck. Die Teilnehmer haben eine im weiteren Sinne philosophische Bildung, finden Fachdiskussionen statt, die auch über Gott und die Welt ausarten dürfen. Die Vorträge werden ausschließlich von den Teilnehmern des Salons gehalten – es gibt keine Gastvorträge. In den ersten fünf Jahren standen diese Vorträge unter keinem einheitlichen Thema.

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Der Salon hat auch eine öffentliche Seite. In der edition fatal erschien der Band Rumford 11A – Der philosophische Rau(s)chsalon 2008-2012 – Schönherr-Mann/Jain/Beilhack (Hrsg.). Er enthält eine Auswahl der Vorträge dieser Jahre.

Zwischen 2013 und 2015 stand der Salon unter dem Themenschwerpunkt Vergesst nicht . . . ! . . . die Revolution. Der in Kürze erscheinende Band enthält fast alle dabei gehaltenen Vorträge. Inspiriert wurde das Thema von Maximilian Hartung, als er über Revolution-Denken bei Foucault, Deleuze und Guattari promovierte. Die Formulierung orientiert sich am Titel eines Buches von Jacques Derrida: Vergessen wir nicht – die Psychoanalyse!

Seit dem 18. Juli 2015 beschäftigt sich Der Salon mit dem Unbehagen in der Realität. Acht Vorträge sind schon gehalten worden. Bis ins Jahr 2018 sind weitere Vorträge angekündigt und alle Termine – sechs pro Jahr – sind ausgebucht. Es sieht so aus, als mache der Salon Spaß und entspricht damit dem hedonistischen, dionysisch imprägnierten Zeitgeist. Asketisch will er denn auch bestimmt nicht sein und die Moral wird höchstens diskutiert. An einem moralischen Wesen des Salons soll die Welt bestimmt nicht genesen. Nein, der Salon erfüllt seinen Zweck im Vollzug. Gerade das könnte sich auf die Welt auswirken. Wie? Wer weiß?

Schönherr-Mann/Jain/Beilhack (Hrsg.)

Rumford 11A
Der philosophische Rau(s)chsalon 2008-2012
Edition fatal, München 2012

Inhalt
Vorwort des Veranstalters und Mitherausgebers
Vorwort der Verlags der Herausgeber Mario Beilhack und Anil Jain

1. philosophischer Rau(s)chsalon 31.1.2008
Hans-Martin Schönherr-Mann: Das Dionysische als das gute Böse

3. philosophischer Rau(s)chsalon 17.4.2008
Hans-Martin Schönherr-Mann: Kein gutes Leben ohne Verrat: Ergo verratet alle eure Götter!

4. philosophischer Rau(s)chsalon 12.6.2008
Mario Beilhack: A space odyssey – die mediale Verfasstheit der Welt

6. philosophischer Rau(s)chsalon 3.12. 2008
Matthias Hofmann: Die Ausnahmeschutzverletzung als Destabilisierung der Lebenswelt – Über unseren alltäglichen Umgang mit dem PC

7. philosophischer Rau(s)chsalon 11.2.2009
Michael Löhr: Von Kant zurück zu Platon und Laotse. Francois Chengs "unkritische" Meditationen über Schönheit

8. philosophischer Rau(s)chsalon 1.4.2009
Hans-Martin Schönherr-Mann: Die wahre Schönheit als ein Oberflächenphänomen oder von der unmöglichen Innerlichkeit der Schönheit

9. philosophischer Rau(s)chsalon 26.5.2009
Anil Jain: Capitalism Inc. - Der 'phagische' Charakter des Kapitalismus

11. philosophischer Rau(s)chsalon 23.9.2009
Michael Löhr: Der Traum ist mehr als bloße Wunscherfüllung! Christoph Türcke über die Geburt des Menschen aus dem Schrecktraum

12. philosophischer Rau(s)chsalon 8.12.2009 (Mariä Empfängnis)
Michael Ruoff: Ein Physiker plaudert aus dem Nähkästchen

16. philosophischer Rau(s)chsalon 29.9.2010
Anil Jain: Die kontingente Gesellschaft

18. philosophischer Rau(s)chsalon 23.2.2011
Stefan Bolea:  politisch existentielle Gedichte (aus dem Rumänischen ins Deutsche übertragen)

19. philosophischer Rau(s)chsalon 7.4.2011
Michael Löhr: Versuche über Gleichgültigkeit. Ein Streitgespräch zwischen Wolfgang Sofsky und Fernando Pessoa

20. philosophischer Rau(s)chsalon 8.6. 2011
Michael Ruoff: Die reterritorialisierte Theorie

22. philosophischer Rau(s)chsalon 26.10. 2011
Michael Löhr: Zeit und Bild. Heidegger, Benjamin und Mitchell über das Wesen des Bildes"

24. philosophischer Rau(s)chsalon 25.1. 2012
Linda Sauer: Das Böse – Glanz und Abglanz einer diabolischen Versuchung

25. philosophischer Rau(s)chsalon 29.3.2012
Michael Bräustetter, Maximilian Hartung: Wer denkt wen? Von diesseitigen Gedanken, Geständnistieren und Autoren
 
26. philosophischer Rau(s)chsalon 10.5.2012
Bernd Mayerhofer: Worüber man nicht sprechen kann. Über das Schweigen im Allgemeinen und das bestimmter Personen im Besonderen

27. philosophischer Rau(s)chsalon 10.7..2012
Christof Cegla: Warum Guido Knopp der beste deutsche Historiker ist

Nachwort:
Linda Sauer: Anstelle eines Nachworts

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