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Teilen

Hans-Martin Schönherr-Mann

Die teilenden Medien
Das simulierte Begehren des Teilens

Eine Medienethik des Teilens rekurriert entweder auf Aristoteles und Rawls, nämlich die Verteilungsgerechtigkeit. Oder Medienethik stellt die Nutzer in den Vordergrund. Dann stellt sich dabei die Frage nach der Verantwortung der Individuen. Wenn indes historisch wie medial längst nicht mehr klar ist, was Teilen heißt, dann erweisen sich beide Perspektiven als Simulationen der Medien. Sie teilen den Individuen ihre ethischen Werte u.a. des Teilens zu. Medial repräsentiert erscheint die Schwäche der individuellen Verantwortung als Stärke. Das wird nicht nur gewünscht, sondern begehrt. Die Individuen sehnen sich danach, von den Medien einen ethischen Charakter bescheinigt zu bekommen. Indem sie sich zum Teilen bereit erklären lassen, stärkt das Symbolische der medialen Simulation das Imaginäre der individuellen Teilungsbereitschaft. Aber es strebt darüber natürlich auch hinaus, will mehr, braucht immer wieder die Bestätigung durch die Medien, wie umgekehrt die Medien dieses Begehren brauchen, um die Wirklichkeit entstehen zu lassen, in der es um diverse Formen des Teilens wie der Anteilnahme zu gehen scheint. Bereitwillig verführen sie, wie sich die Individuen gerne verführen lassen. Aber Vorsicht, die Ethik des Teilens könnte von den Verführten plötzlich eingeklagt werden, bricht das Reale in die Simulation hinein, aber natürlich nur als stummer sich entziehender Anspruch. Denn in der Regel wissen die Medien damit nichts anderes anzufangen, als es auf ein Neues zu simulieren, um das Verhältnis Verführer zu Verführten wiederherzustellen. Aber auch das gelingt nicht immer. Zuteilende Medien werden gelegentlich zu geteilten. Medien bleiben sie und meistens währt das nicht allzu lange. Mehr an realer Humanität lässt sich wohl nicht imaginieren, vor allem nicht symbolisieren.