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Philosophie

I
Im Zentrum der Reihe Staatsverständnisse steht die Frage: Was lässt sich den Ideen früherer und heutiger Staatsdenker und Staatsdenkerinnen für ein zeitgemäßes Verständnis des Staates entnehmen? Staat und Recht stützen sich auf eine unhintergehbare Gewalt, die Gerechtigkeit nur unabhängig vom Recht denken lässt und damit von den Prinzipien der Allgemeinheit und Gleichheit. Sie zielt darauf ab, dem Ereignis wie dem Einzelnen gerecht zu werden, was nur durch einen vorbehaltlosen Blick auf die damit verbundenen Probleme gelingen kann. Dazu muss jeder begriffliche Zugriff bis in seine letzten Aporien hinterfragt werden. Das ist der Sinn der Dekonstruktion, der es immer schon originär darum geht, dem Ereignis gerecht zu werden. Nicht dass die Gerechtigkeit dabei auf Staat und Recht verzichten könnte, verlangt sie doch nach Verwirklichung. Nicht dass die Dekonstruktion damit den von Marx herkommenden Anspruch der Kritik aufgibt. Doch die Gerechtigkeit kann sich mit dem Blick auf Ökonomie und Gesellschaft nicht zufrieden geben, die den Weg in eine kommende Demokratie alleine nicht zu ebnen vermögen. In der Demokratie geht es vielmehr um die emanzipatorischen Ansprüche von Individuen und Gruppen, die kein einheitliches menschheitliches Ideal verkörpern. Denn sie stützt sich nicht auf die Brüderlichkeit, sondern auf die Freundschaft. Demokratie lässt sich daher nicht vollenden, immer nur weiter ausbauen, was jeder Idee eines starken Staates widerspricht. Demokratie verlangt den mündigen d.h. dekonstruierenden Bürger, den es längst gibt, wenn viele den diversen Welterklärungen misstrauen. Derridas Staatsverständnis geht von einer unüberbrückbaren Differenz zwischen Recht und Gerechtigkeit aus, was die Demokratie als notorisch ungenügend vorführt, um die sich daher Staat wie Bürger immer mit dem Ziel bemühen müssen, deren Emanzipation als Individuen zu befördern.

Das neue Buch

Nietzsche Roemerweg
Nietzsche spricht als einer der ersten von Verantwortung, die in der ethischen Debatte bis dahin keine Rolle spielte.“ Hans-Martin Schönherr-Mann

Nietzsche erlebt einen fulminanten Aufstieg zum Professor für klassische Philologie in Basel ohne Promotion. Er ist ein Bewunderer des Militärs, bei dem seine von Hause aus schwächliche Gesundheit zweimal schwer geschädigt wird. In dieser Zeit entwirft er ein Bild vom antiken griechischen Staat als einem aristokratischen Machtstaat. Doch er findet nur geringe akademische Anerkennung und gibt die Professur 1879 auch aus Krankheitsgründen auf. Ab den 1880er-Jahren erscheinen seine wichtigsten Bücher, unter anderem Also sprach Zarathustra. Er kritisiert den Materialismus seiner Zeitgenossen, wie ihm die politische Klasse des Kaiserreichs nicht elitär genug ist. Andererseits entwirft er einen vollkommenen Nihilismus, dem es um die Schöpfung neuer ethischer Werte geht. Nietzsches politische Ideen klingen elitär, sind aber gleichzeitig individualistisch, sodass sie letztlich eine Abkehr vom autoritären Machtstaat implizieren. Nietzsches Leben und sein Denken verkörpern alles andere als eine harmonische Einheit.

Themen

  • Politische Philosophie der demokratischen Partizipation
    (Arendt)
  • Philosophie der Emanzipation
    (de Beauvoir, Camus, Sartre)
  • Lebenskunst und Pragmatismus
    (Nietzsche, Foucault, Rorty)
  • Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache
    (Wittgenstein, Lyotard, Derrida)
  • Verantwortung anstatt Normenethik
    (Kant, Hegel, Lévinas)