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Bücher

Foucault
Michel Foucault als politischer Philosophen


ISBN: 9783903187337 innsbruck university press (Verlag)

Als politischer Philosoph wird Foucault kaum wahrgenommen: Seine Machtanalytik schien der Sozialphilosophie nahezustehen, sein Entwurf des Subjekts im Spätwerk einer Kulturphilosophie. Bisher orientiert sich die politische Philosophie entweder an der Souveränität (Carl Schmitt) und am natürlichen Guten (Leo Strauss) oder normativ an der Gerechtigkeit (John Rawls). Doch Foucaults Vorlesungen über die Gouvernementalität diagnostizieren eine Transformation der Souveränität in eine an der Bevölkerung orientierte Verwaltungstätigkeit, so dass Biopolitik die ‚große Politik‘ (Nietzsche) ersetzt. Schon im Frühwerk generiert sich die Macht mikrologisch und somit im Individuum, argumentiert er genealogisch, womit er sich strukturell jedem Identitätsdenken entzieht. Nicht erst im Spätwerk wird Politik auch zivilgesellschaftlich und außerinstitutionell dort gemacht, wo Prozesse der Emanzipation stattfinden, wo das Individuum politisch das Wort ergreift. Somit schreibt Foucault ähnlich wie Hannah Arendt die politische Philosophie einer pluralistischen partizipatorischen Demokratie. In der Tradition von Spinoza und Nietzsche vollendet Foucault die Wende der politischen Philosophie hin zum Individuum, ähnlich wie Lévinas die Ethik strukturell verschiebt. Daran schließen Judith Butler, Jacques Rancière und Giorgio Agamben 
Politische Philosophie
Was ist Politische Philosophie?

ISBN 978-3593396033  Campus-Verlag

Die politische Philosophie spielt eine zusehends wichtigere Rolle vor allem in Bezug auf die Wirtschafts-, Sozial- und Gesundheitspolitik. Ihre Grundfragen sind die Gerechtigkeit und Legitimität der politischen Ordnung, der Konflikt zwischen Individuum und Gemeinschaft, Freiheit und Gleichheit oder auch die humane Gestaltung der Biopolitik. Neben dem klassisch traditionellen Modell von Platon bis Leo Strauss erläutert Hans-Martin Schönherr-Mann die Grundmodelle der modernen politischen Philosophie: das performative Modell (Machiavelli, Carl Schmitt und andere), das rationalistische (Kant, Marx, Rawls), das sprachphilosophisch ausgerichtete (Cassirer, Derrida) sowie eines, das die Beziehung zwischen Medien und Politik in den Vordergrund rückt (McLuhan, Baudrillard). Dabei geht es immer auch um die Frage, wie die Mündigkeit der Bürgerinnen und Bürger bewahrt und gestärkt werden kann.
Involution oder Revolution2
Involution oder Revolution
Vorlesungen über Medien, »Bildung und Politik« an der Universität Innsbruck 2013-17
ISBN 978-3-7448-1873-5 
Books on Demand
(Verlag)

Involution heißt hier nicht wie bei Agnoli Abbau der Demokratie. Involution fordert vielmehr Teilhabe, ohne dass Privilegierte verdrängt und diskriminiert werden. Die vielfältigen Aktivitäten der Zivilgesellschaft in den letzten Jahrzehnten waren in diesem Sinn nicht revolutionär: die Bürgerrechts-, Frauen-, Umwelt-, Friedens- oder Schwulenbewegungen, zu denen man daher den Rechtspopulismus nicht zählen kann, der Rot-Grün und die Moral verabschieden möchte.
Involution stützt sich indes auf Moral und Bildung im umfassenden Sinn. Denn Politik beruht nicht auf den Gewehrläufen, sie endet, wo der Krieg beginnt. Wenn Politik Kommunikation in der Öffentlichkeit (Arendt) bedeutet, entspringt sie Sprache und Schrift, entfaltet sie sich mit dem Buchdruck, wird sie von den Massenmedien geprägt und vom Internet beschleunigt.
Der Text erläutert verschiedene Politikverständnisse, wie Medien - Schrift, Sprache, Massenmedien, Internet - die Politik konstituieren, die sich ihrerseits daher auf Bildung stützt. So bleibt Politik zwar eine elitäre Angelegenheit für entsprechend Gebildete. Aber jede Bürgerin kann sich selbst bilden und Ansprüche formulieren, um im Sinn von Involution politische teilzuhaben.
Welche politische bzw. Medienbildung ist für die Zeitgenossin nötig, um im Sinn von Involution an der Politik teilzuhaben? Um andere Menschen nicht zu diskriminieren, auszugrenzen oder gar zu diffamieren? Politische Bildung erweist sich dann als eine primär individuelle, die staatliche Institutionen höchstens unterstützen.


Wittgenstein
Das Blau des Sprachspiels
Wittgenstein und die politische Philosophie

ISBN 978-3-7460-1894-2 
Books on Demand (Verlag)

Das Buch führt in Wittgensteins experimentelles Denken ein, das demjenigen Nietzsches ähnelt, und es zeigt ansatzweise, wie postmoderne und pragmatische politische Philosophien auf Wittgensteins späterer Sprachphilosophie aufruhen. Obgleich diese selbst kaum politische Perspektiven entfaltet, zerbröseln im Spiel der Sprache essentialistische und allgemeine Bestimmungen der Politik - man denke an Volk, Nation, Sozialismus, Kapitalismus oder an Geopolitik, Souverän und Entscheidung. So entwirft sich Politik vor dem Hintergrund von Sprachspiel, Ereignis und Verantwortung individualistisch und hedonistisch, aber kommunikativ. Denn die Sprache verbindet nun mal die Zeitgenossinnen, wiewohl im individuellen Interesse, was sich aber niemals atomistisch generieren kann, vielmehr Gesellschaft und Umwelt braucht und zwar als zivilgesellschaftliche und emanzipatorische Aktivitäten. Dabei kehren jenseits jeglicher Revolutionshoffnungen auch soziale Fragen wieder, in die jene ehemals einzige soziale Frage angesichts des Sprachspiels zerfällt. Politisches Denken entfaltet dabei eine spielerische Ironie, mit der man Nationalismus, Fundamentalismus und Totalitarismus am nachhaltigsten politisch begegnet, wenn sich dadurch deren besessene Bemühungen um Ernsthaftigkeit als zufällig, illusionär und gewalttätig entpuppen. Wie schrieb doch Wittgenstein: "Was ich lehren will: von einem nicht offenkundigen Unsinn zu einem offenkundigen übergehen."
Europa2
Verteidigung Europas gegen die Banalität des Populismus

ISBN-13: 9783748168607
Verlag: Books on Demand


Aus dem Trump-Lager schallt es, man wolle vor die Kennedy-Ära zurück. Und bundesrepublikanische rechte Kreise träumen vom Ende von Rot-Grün. Die Zivilgesellschaft wird in den sechziger Jahren beschleunigt. Ohne sie keine Willkommenskultur, kein Obama, kein Atomausstieg, kein Joschka Fischer. Die Zivilgesellschaft als Errungenschaft ausserinstitutioneller partizipatorischer Politik, die von den Bürgerinnen selbst ausgeht, gilt es weltweit zu verteidigen, vor allem aber zusammen mit Europa, das die  Nationalstaaten in Bundesländer verrwandelt und den Bürgerinnen durch soziale und rechtlichte Standards, durch Niederlassungsfreiheit, den Schengen-Raum und den Euro EU-weite Lebensräume verschafft.
Der Titel schliesst an Camus' Verteidigung der Freiheit (1960) an und an Arendts grosen moralphilosophischen Essay Eichmann in Jerusalem - Bericht von der Banalität des Bösen (1963). Der Untertitel spielt mit Nitzsches Die Geburt der Tragödie aus dem  Geiste der Musik (1862), ähnlich wie der Untertitel meines Buches Sexyness als Kommunikation - Die Geburt der Sexualität aus dem Geist der Massenmedien  2016.
Hannah Arendt
Hannah Arendt  - Wahrheit, Macht, Moral

978-3406541070 C.H.Beck Verlag

Der Schlüssel zu Hannah Arendts ganzem Werk, das Philosophie, politische Theorie und Reflexion über das jüdische Schicksal in sich vereint, ist die berühmte Totalitarismusstudie von 1951 (dt. Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft). Ihr gilt - nach einem einleitenden Kapitel über Lebensgang und Frühwerk - ein Hauptteil von Hauke Brunkhorsts Einführung. Der Autor diskutiert ausführlich die Wandlungen von Hannah Arendts Republikanismus und erschließt erstmals auch die rechtsphilosophischen und verfassungstheoretischen Dimensionen von Arendts Werk. Der enge Zusammenhang von persönlichen Erfahrungen und Denken, vom Frühwerk bis hin zum Prozeßbericht Eichmann in Jerusalem (dt. 1965)

Rezension 1
politik verstehen
Politik zwischen Verstehen und Werten.
Hermeneutik als politische Philosophie. Vorlesungen am Geschwister-Scholl-Institut 2002/2003


ISBN 978-3-8381-5221-9 

Südwestdeutscher Verlag für Hochschulschriften

 Welt- und Menschenbilder, ob säkularer oder religiöser Provenienz, lösen ihre universellen oder absoluten Ansprüche nicht ein so wenig wie sie letzte Gründe anzugeben vermögen. Das destabiliert die politische Ontologie. Politische Philosophie analysiert dann das politische Denken wie das politische Geschehen mit hermeneutischen Methoden als Ereignis – dem Leitwort der Gegenwartsphilosophie. Dabei stützt sich die politische Philosophie auf die hermeneutische Ontologie von Nietzsche, Heidegger und Gadamer, auf die psychoanalytische Hermeneutik von Freud und Lacan sowie auf die Sprachphilosophie vonWittgenstein, Austin und Derrida. Politik erweist sich derart im Anschluss an Arendt als ein interpretierendes Geschehen, das im Begriff der Verantwortung einen ethischen Willen zur Macht beherbergt, den ein mediales und technisches Begehren antreibt. Inwieweit lässt sich die geschwächte politische Ontologie in der hermeneutischen Moderne restabilieren, wenn sie dabei zwangsläufig auf ironische Abwege gerät?

Lebenskuenstlerin
Untergangsprophet und Lebenskünstlerin - Über die  Ökologisierung der Welt

ISBN 978-3-88221-913-5  Verlag Matthes & Seitz

Entgegen allen Untergangsszenarien lässt sich feststellen: Die Welt wird immer ökologischer. Jedoch nicht durch Rückkehr zur unberührten Natur, sondern in der Bejahung von umweltfreundlicher Technik und Konsum. Vielen, die seit Jahren für die Ökologie kämpfen, geht dieser pragmatischeWeg längst nicht weit genug. Und doch ist ein neues Verhältnis zwischen Mensch und Natur entstanden, und es wird deutlich, dass es die ursprüngliche Natur wohl niemals gab.
Es gibt heute keine größere ethische Spielwiese als die Ökologie. Dabei ist sie jedoch weit davon entfernt, nur als schlechtes Gewissen aufzutreten, im Gegenteil, man kann ökologisch etwas für die Welt und für sich selbst tun. Denn die Mehrheit der Zeitgenossen engagiert sich nicht mehr unterwürfig und aufopfernd, sondern im Bewusstsein um den eigenen Vorteil: die hedonistische Verbindung von Ökologisierung und Ethik.«

Rezension 1
Camus
Albert Camus als politischer Philosoph

ISBN 978-3-902936-67-7   University Press  (Verlag)

Camus wurde nicht erst zum 100. Geburtstag als jemand interpretiert, dem esum die allgemeine Lage des Menschen in der Welt ginge und der der modernenKultur das einfache Leben vorziehe, also als ein literarisch orientierter Heidegger,konservativ und bodenständig. Doch Camus‘ Denken ist in die Problemeseiner Zeit verstrickt, die primär politischen Charakter haben. Bereits DerFremde kritisiert eine präfaschistische Gesellschaft. Der Mythos von Sisyphos
entwickelt unter Zensurbedingungen die Philosophie des Widerstands, nimmtCamus am Existentialismus teil, der sich eindeutig links positioniert. Doch einekommunistische Orientierung lehnt er ab und entwirft in Der Mensch in der
Revolte ein Gegenmodell zur proletarischen Revolution. Stattdessen orientierter sich am seit der Moderne immer wieder sich auflehnenden Menschen undantizipiert damit die vielen Bürger- und Protestbewegungen der zweiten Hälftedes 20. Jahrhunderts bis heute, denen es nicht mehr um die große Revolution,sondern um Emanzipation und Vielfalt geht. Wie Sartre und de Beauvoirmacht er das Individuum verantwortlich für sein Leben und diagnostiziertdadurch politische wie private Spielräume, die den Vertretern religiöser undpolitischer Hierarchien und fester sozialer Institutionen – gleichgültig ob katholisch,kommunistisch, national oder liberal eingestellt – bis heute ein Dornim Auge bleiben. Neben seinen philosophischen Arbeiten hat Camus herausragendeliterarische Werke geschrieben, die alle philosophische und politischePerspektiven bzw. das gesellschaftlich bedingte Leiden beredt werden lassen.Daher ist Camus politischer Philosoph in der Nähe von Theodor Adorno, Hannah Arendt und Michel Foucault. Sie tragen zu einer demokratischen Wendeder politischen Philosophie bei, die die Hoffnung auf souveräne wie sozialeGewalt verabschiedet.
Pragmantische Philosophie
Vom Nutzen der Philosophie

ISBN 978-3-7776-2247-7  S.Hirzel Verlag

Was hat pragmatisches Denken mit Philosophie zu tun? Durch Ethik, Ästhetik, Sozialphilosophie und andere philosophische Themenbereiche kann man sehr viel gewinnen, gerade im Alltag. Hans-Martin Schönherr-Mann führt aus, wie sich durch Philosophie in Form des Pragmatismus das moderne Leben leichter bewältigen lässt. Dieser philosophisch inspirierte Pragmatismus soll zu einer Lebenskunst beitragen, ohne dass man sich dabei in höhere philosophische Gefilde verirrt; er soll aber auch verhindern, dass man in kitschige Banalitäten abrutscht, indem man einfach schöner leben möchte.

  Rezension 1
Sexyness
Sexyness als Kommunikation
Die Geburt der Sexualität aus dem Geist der Massenmedien

ISBN 978-3-7431-4283-1
Books on Demand (Verlag)


Nach Michel Foucault gibt es Sexualität erst seit ca. 300 Jahren. Doch so, wie sie sich heute in der freizügigen Welt präsentiert, wird mit Sexualität primär kommuniziert - Freuds Primärprozess als reine Kommunikation. Das verdankt sich den Massenmedien. Seit dem Film und dem frühen Jazz begegnet den Leuten die Sexualität als Kommunikation, eine Lage, der alle ausgesetzt sind. Doch sie können sich solcherart Sexualität auf verschiedene Weise bedienen, dabei Symbole und Zeichen verschieben. Damit konstituieren sie das eigene Selbst, feiern Erfolge und erleben grandiose Untergänge. Sie gebrauchen Sexualität genießerisch um ihrer selbst willen, so dass sie sich diskriminierenden Ansprüchen widersetzen, die Sexualität mit Fortpflanzung verwechseln und sie gar in den Dienst eines erfundenen Volkes oder eines Staates zu stellen versuchen.

GewaltMachtindividuellerWiderstand
Gewalt, Macht, individueller Widerstand

ISBN 978-3-8487-1900-6  Nomos-Verlag

Im Zentrum der Reihe Staatsverständnisse steht die Frage:
Was lässt sich den Ideen früherer und heutiger Staatsdenker für ein zeitgemäßes Verständnis des Staatesentnehmen? Obwohl sich der emanzipatorische Existentialismus dem Widerstand in Frankreich gegen die deutsche Besatzung verdankt, findet er wenig Beachtung in der politischen Philosophie, die Camus, de Beauvoir oder Bataille als unpolitisch, romantisch,pubertär und obszön abtut. Zurecht beschuldigt man ihn des Individualismus. Denn der Existentialismus geht von einem Primat des Individuums gegenüber dem Staat aus, was keinem Vertrag, sondern der individuellen Widerständigkeit entspringt. Daraus entsteht politische Macht, während undemokratische Staaten darauf zumeist mit Gewalt reagieren. So entwickelt sich ein hochaktuelles Staatsverständnis, wie es sich als partizipatorische Demokratie im späten 20. Jahrhunderts verbreitet. Dieses Staatsverständnis vertreten vor allem die französischen emanzipatorische Existentialisten, findet sich aber auch bei Randgängern wie Arendt und Bataille und kann sich auf Wegbereiter wie Kierkegaard und Stirner sowie Nietzsche berufen. Ein metaphysisch religiöser Existentialismus von Marcel, Jaspers,Cioran oder am Rande Heidegger und als Vorläufer Bergson insistiert auf einem traditionellen Staatsverständnis, das lebens- oder seinsphilosophisch renoviert wird. Der Band führt vor, dass die Nachwirkungen des verfemten Existentialismus politischer sind, als dessen spärliche, teilweise fragwürdige Rezeption heute glauben machen möchte.
Revolution3
Revolution 100 Years After
System, Geschichte, Struktur und Performanz einer politisch ökonomischen Theorie

ISBN 978-3-7460-7478-8
Books on Demand (Verlag)


Die historische Spannbreite der hier editerten Vorträge reicht von der Theorie der politischen Revolution bei Aristoteles bis hin zur Frage, unter welcher Perspektive man die G20-Krawalle 2017 in Hamburg als revolutionär betrachten kann. Die Autorinnen gehen keineswegs von einer gemeinsamen theoretischen Linie oder einem gemeinsamen politischen Standpunkt aus. Gemeinsam ist den Vorträgen aber die Neugier danach zu suchen, welche Rolle die Idee der Revolution heute noch spielt, die bis in die 1960er Jahre hinein viele faszinierte und beseelte, sei es bei revolutionär Engagierten oder anderweitig Aktiven. Dabei werden auch unterschiedliche Blickwinkel auf einige historische Ereignisse geworfen, die bis heute das Denken über Revolution prägen. Sowenig dürfen Überlegungen zu den neuesten technologischen Entwicklungen fehlen, die z.B. die Revolutionen in Arabien beflügelten. Und natürlich stellt sich immer wieder die Frage, wohin die revolutionäre Reise geht oder ob die Epoche der Revolution beendet ist.



Protest Solidariaet
Protest, Solidarität und Utopie

ISBN 9783935147262 Verlag edition fatal

Die Protestbewegungen seit den siebziger Jahren bis hin zu Occupy stritten für überschaubare Ziele. Dabei entwickeln sie Solidarität aus Verantwortung für das eigene Handeln. Dass ihr Protest diverse Erfolge zeitigte, verdanken sie keinem staatlich sanktionierten Recht auf Widerstand, sondern einer individuellen Widerstandskraft, die im Kampf gegen die nazi-deutsche Herrschaft über Europa aufging. Die 68er Bewegungen kämpften noch für den Sozialismus. Doch sie träumten bereits den antiautoritären Traum von einer kommunikativen, friedlichen Welt ohne Diskriminierung. Ähnliche Utopien beseelen viele Menschen, die sich seither außerinstitutionell politisch engagieren. Mit Attac und Occupy ist heute auch der Traum der sozialen Gerechtigkeit auf die politische Agenda zurückgekehrt. Indes haben sich solche Utopien vom sozialistischen Begehren befreit, verwirklicht werden zu müssen. Vielmehr avancieren sie zu ethischen Orientierungen und öffnen Wege der Kommunikation. Zum politischen Prozess der Demokratie gehört heute der Bürger-Protest, das individuelle Engagement als außerinstitutionelle Partizipation (Michel Foucault). Im Sinn von Hannah Arendt ist die Demokratie demokratischer geworden.
Uebermensch
Der Übermensch als Lebenskünstlerin - Nietzsche, Foucault und die Ethik

ISBN 978-3-88221-667-7  Verlag Matthes & Seitz

Nietzsche gab auf den Wertewandel seiner Zeit mit dem Übermenschen eine perspektivische Antwort: er riet, der einzelne solle aus seinem Leben ein Kunstwerk machen. Foucault ästhetisierte diese Forderung, er riet, sich nicht allgemeinen Moralcodes zu unterwerfen, sondern sich eigene Regeln zu schaffen, sich selbst auch das Geschlecht zu wählen. An die Stelle von Nietzsches Übermensch tritt die Lebenskünstlerin, die einen eigenen Machtwillen durch Selbstdisziplin und Selbstbeherrschung entwickelt und sich nicht einem herrschenden Moralcode unterordnet. In ihr entsteht eine individuelle Macht, als eine Macht über sich selbst, die ein neues Moralsubjekt konstituiert. Der Übermensch als Lebenskünstlerin braucht den anderen Menschen, aber nicht als anonyme Gemeinschaft, sondern als anderen Lebenskünstler. Der kulturelle Wandel, der sich durch Emanzipation, neues Umweltbewusstsein und Hedonismus äußert, ist nicht aufzuhalten und führt zu neuen ethischen Werten und neuen Lebensformen.

Rezension 1
Philosophie der Liebe
Philosophie der Liebe Oder Wider den Gemeinspruch ‚Die Lust ist kurz, die Reu’ ist lang’ 

ISBN 978-3-88221-465-9  Verlag Matthes & Setitz

An die christliche Nächstenliebe schließt dieser ‚Versuch wider den Gemeinspruch’ nicht an, sondern an den antiken Eros und an die Spätphilosophie Michel Foucaults, an die Achtundsechziger Parole: ‚wer zweimal mit demselben pennt, die gehört schon zum Establishment’. Denn die erotische Liebe birgt durchaus viele Gefahren, deren größte im Zeitalter diverser Emanzipationsbestrebungen – der Frauen, der Homosexuellen, der Kinder und der Alten – vom eigenen Leben abbringt und in den Hafen der festen Dreier- oder gar Viererbeziehung führt – eben mit einem oder zwei Kindern – und die irgendwann doch geschieden wird. Frauen werden davon immer noch stärker bedroht. Aber auch Männer laufen Gefahr, der Familie dienen zu müssen, in der die erotische Liebe verblaßt. Gefährdet sind dabei vor allem jene, die wenig Glück in der Liebe haben, die krampfhaft feste Beziehungen suchen und die sich dabei unattraktiv verhalten müssen, wenn man sucht, was es eigentlich nicht mehr gibt und doch in die Rolle der Hausfrau und Mutter neben dem Brotjob zwingt. Wer trotzdem nicht bloß auf Nächstenliebe hofft, gar auf Mitleid, wer die erotische Lust sucht, die keine sportliche Übung sein soll, der darf sich allerdings nicht verführen lassen: zu kurzer Lust und nachfolgendem Dienst. Dann muss man seine eigenen Lüste kontrollieren. Dann braucht man eine asketische Macht über sich selbst, die aber nicht wie die christliche Askese Gott oder der Gemeinschaft dient, sondern den eigenen Lüsten, um die lange späte Reue und den Dienst an der Menschheit zu vermeiden. Um lieber die Lust möglichst häufig zu wiederholen, muss die Teufelin – die emanzipierte Frau und der nachhinkende Mann – mit Beziehungen vorsichtig umgehen, sie nicht ausarten lassen, nicht zusammen ziehen, arm keine Kinder in die Welt setzen, das eigene Leben weiter führen, nicht zwei Leben zu einem vermeintlichen einzigen zusammenfügen, in dem man sich gegenseitig kontrolliert, sich nicht für den Geliebten opfern, um im Tauschgeschäft dessen Opfer zu erhalten. Das ist sehr schwierig und widerspricht den christlichen Gewohnheiten, lässt sie im Lichte altruistischer Moral als Egoistin, Hedonistin, ja Barbarin erscheinen, wenn heute solche BarbarInnen zuhauf Heimat und Frömmigkeit unterwandern. Denn begeistert knüpft die Barbarin wie Foucault an die Antike an. Vor allem sitzt sie nicht dem christlichen Irrtum Nietzsches auf, dass alle Lust Ewigkeit wolle, um dann im Sakrament der Ehe zu enden. Ach, hätte er doch Lacan lesen können! Das Begehren treibt ja selbst die Gläubige immer weiter, so dass die Scheidungsanwältin wieder lächelt.
Froehliches Philosophieren
Fröhliches Philosophieren

ISBN 978-3-935147-34-7  Verlag edition fatal

Das programmatische Werk der Postmoderne stammt nicht von Jean-Francois Lyotard, nicht von Nietzsche, Derrida oder Gianni Vattimo, sondern von Umberto Eco, jedenfalls wenn man Postmoderne nicht mit Tragik und Fatalismus verbindet, deren Vernunftgenealogie als Aufklärung und nicht als Gegenaufklärung versteht. Es handelt sich um seinen ersten Roman Der Name der Rose aus dem Jahr 1980, ein Jahr, nach dem Lyotard mit seinem Bericht La condition postmoderne der Debatte einen Namen gegeben hatte, über den sich heute immer noch viele aufregen, eine Aufregung, die ich nicht unbedingt abmildern möchte. Es geht im Roman um die Suche nach dem verlorenen zweiten Buch des Aristoteles über die Poetik, in dem dieser die Komödie behandelt haben soll. Gegen Schluss empfiehlt der Protagonist William von Baskerville, der William Ockham ähnelt, seinem Schüler Adson von Melk: »Jorge fürchtete jenes zweite Buch des Aristoteles, weil es vielleicht wirklich lehrte, das Antlitz jeder Wahrheit zu entstellen, damit wir nicht zu Sklaven unserer Einbildungen werden. Vielleicht gibt es am Ende nur eins zu tun, wenn man die Menschen liebt: sie über die Wahrheit zum Lachen bringen, die Wahrheit zum Lachen bringen, denn die einzige Wahrheit heißt: lernen, sich von der krankhaften Leidenschaft für die Wahrheit zu befreien.«
Macht der Verantwortung
Die Macht der Verantwortung

978-3495483992  Karl Alber Verlag

Ethisches Handeln, das der Einzelne selber verantworten will, kann leicht scheitern. Auch können durchaus gute Gründe gegen eine Handlung sprechen. Welche Tugenden und Kompetenzen braucht der Einzelne folglich, um seiner Verantwortung gerecht zu werden?
 Verantwortung ist ein vergleichsweise neues Thema in der Ethik, das sich erst im 20. Jahrhundert ausdifferenzierte. Max Weber spricht 1919 als Erster von Verantwortungsethik. Verantwortung heißt für ihn, beim Handeln nicht allein auf ethische Normen zu achten, sondern auf die Folgen, die die Beachtung ethischer Normen nach sich ziehen können. Damit eröffnet sich ein Streit zwischen Verantwortungs- und Normenethik, der bis heute andauert. Relativiert die Verantwortungsethik ethische Normen und muss insofern als ein Wertezerfall begriffen werden? Oder sucht sie nach einem neuen ethischen Fundament in einer pluralistischen Welt, in der verschiedene ethische Systeme miteinander konkurrieren? Wenn man sich verantwortungsethisch an Normen orientieren will, dann stellt sich zunächst die Frage nach der Geltung und der Anwendung von Normen. Das Tötungsverbot kann man sicher als universell gültig bezeichnen. Allerdings wird es häufig nicht angewendet, sei es weil eine Ideologie seine Geltung aussetzt, die Umwelt es in bestimmten Situationen nicht beachtet oder Institutionen dem einzelnen die Verantwortung abnehmen.
 Hans-Martin Schönherr-Mann führt in die Grundmodelle der Verantwortungsethik von Max Weber, Jean-Paul Sartre, Emmanuel Lévinas und Hans Jonas ein. Dabei geht es vor allem auch um die Reichweite der Verantwortung: für die überschaubaren Folgen, für die Situation, für den Anderen oder für die Zukunft der Menschheit.
Miteinander Leben Lernen
Miteinander Leben Lernen

978-3492051040  Piper Verlag

In Zeiten neuer Konflikte zwischen Ost und West, Nord und Süd ist eines klar geworden: Auf dieser einen Welt müssen wir miteinander leben lernen, ungeachtet trennender Ideologien, Religionen, Überzeugungen. Aber wie macht man das? Woran müssen wir uns orientieren? Gibt es so etwas wie einen gemeinsamen Nenner, der für alle Menschen gilt? Hans-Martin Schönherr-Mann zeigt die Antworten, die die wichtigsten modernen Philosophen auf diese Grundfrage gegeben haben, von Hannah Arendt, Ernst Bloch, Ernst Cassirer über Hans Georg Gadamer, Hans Jonas, Emmanuel Levinas bis zu John Rawls und Richard Rorty. Hans Küng, der Begründer des »Projekts Weltethos«, analysiert kritisch, was die Philosophie zur Idee eines gemeinsamen Grundwertekatalogs sagt.

Rezension 1   Rezension 1   
Globale Normen
Globale Normen und individuelles Handeln

ISBN: 978-3-8260-4330-7   Verlag Königshausen & Neumann

Kurzinhalt: Gibt es globale ethische Normen? Hans Küngs Projekt Weltethos diagnostiziert sie in den großen Weltreligionen. Kann man sie aus aufgeklärter Perspektive teilen? Im modernen demokratischen Rechtsstaat hat die Ethik längst nicht mehr den Sinn, die Menschen der Gemeinschaft unterzuordnen. Die Zeitgenossen bedienen sich vielmehr der Ethik, um ihre eigene Lebensform zu entwickeln. Damit entsteht eine globale Gemeinsamkeit zwischen den Menschen, nicht zwischen ihren Gemeinschaften. Aus emanzipatorischer Perspektive entspringt daraus die Globalität gemeinsamer oberster Normen. Derart verkörpert die Idee des Weltethos eine Wende der Ethik im 20. Jahrhundert, wie sie sich ansonsten bei John Dewey, Emmanuel Lévinas, Hannah Arendt und John Rawls anzeigt. Noch schwieriger aber wird die Anwendung anerkannter oberster Normen. Welche Tugenden und Kompetenzen hätte der ostpreußische Lokomotivführer gebraucht, der einen Zug voller Juden nach Auschwitz fuhr, um zu begreifen, dass er sich aktiv am Massenmord beteiligt? Angesichts der veränderten Lebensumstände in der Moderne lassen sie sich nicht mehr auf die traditionellen Kardinaltugenden beschränken. Vielmehr gehören heute dazu u.a. Einbildungskraft, Neugier, Leidenschaft, Kreativität, Gelassenheit, Abenteurertum, Verantwortung und Freundschaft. Der Autor ist Essayist, Professor für Politische Philosophie an der Universität München, Gastprofessor für Wissenschaftstheorie an der Universität Innsbruck
Sartre
Sartre  Philosophie als Lebensform

ISBN 9783406511387 C.H.Beck Verlag

Jean-Paul Sartre, dessen Geburtstag sich am 21. Juni 2005 zum hundertsten Male jährt, hat durch sein Denken und sein Engagement eine ganze Epoche geprägt. Hans-Martin Schönherr-Mann stellt Sartres intellektuelle Existenz vor und führt den Leser durch Sartres Werk. Er wird dabei von der Frage geleitet, inwieweit Sartres Philosophie und Lebensform des Existenzialismus Antworten auf die aktuellen Probleme im Zeitalter der Globalisierung und Individualisierung zu geben vermag.

Rezension 1
Simon de Beauvoir
Simon de Beauvoir  und das andere Geschlecht

ISBN 978-3-423-24648-4 DTV

Zum 100. Geburtstag von Simone de Beauvoir am 9. Januar 2008
Mit ihrer Kritik am traditionellen Frauenbild hat Simone de Beauvoir Denken und Leben zahlreicher Frauen verändert. Im Mittelpunkt dieser Einführung in Leben und Werk steht ihr berühmtestes Buch, ›Das andere Geschlecht‹, über die Lage der Frauen in der westlichen Welt. Sie kam zu dem Schluss, dass die engen Grenzen des »Typisch Weiblichen« von der Gesellschaft bestimmt sind, und fasste dies in der damals sehr provokanten These zusammen, dass man nicht zur Frau geboren, sondern zur Frau gemacht wird. Sie lehnte weder die Liebe…mehr

Rezension 1
Nietsche
Friedrich Nietzsche

978-3825230012  UTB

In der westlichen Welt erregt heute kaum ein Philosoph des 19. Jahrhunderts ein größeres Interesse als Friedrich Nietzsche: der Philosoph des Übermenschen und des Willens zur Macht, der nihilistische Kritiker des Christentums, der Verkünder eines starken Individuums. Er dürfte aktuell der meistgelesenste deutsche Philosoph sein. Gut strukturiert und packend geschrieben führt dieses Buch souverän in Nietzsches Werke ein.

Rezension 1