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Aktuelles

Dienstag 5. Dezember 2017 19:00 h
Hospitalhof Stuttgart – Evangelisches Bildungszentrum Büchsenstr. 33 Stuttgart  
Vortrag: Involution oder Revolution?
Sonntag 5. November 2017 ca. 18:00 h
Universität München: Oettingenstr. 67  Raum L 155
Vortrag:  Gibt es eine friedliche Revolution? Wissenschaftliches Symposion Revolution – 100 years after – Geschichte, System, Struktur,
Performanz einer politisch ökonomischen Theorie Universität München: Oettingenstr. 67  Raum L 155
Freitag 27. Oktober 2017, 19:00 h
Patrizia Zewe Kunstprojekt Franz-Josef-Str. 31, München
Vortrag: Sexyness als Kommunikation im Medienzeitalter Ausstellungseröffnung: Female Sexyness  
Donnerstag 14. September 2017, 20:00 h
Stadtmuseum Memmingen
Vortrag zur Flüchtlingsproblematik und zum Dokumentarfilm „Stop and Go“ von Veronika Dünßer-Yagci 
Im Begleitprogramm: Ankommen in der neuen Heimat

DLF Büchermarkt, Buch der Woche, Sonntag 23.4.2017 16.10h

Buchkritik zu:

Heinrich Geiselberger (Hrsg.), Die große Regression – Eine internationale Debatte über die geistige Situation der Zeit, Berlin 2017, edition suhrkamp, 319 S., 18 €


Abstract
15 bekannte Intellektuelle analysieren die Erfolge von Populisten in den letzten Jahren. Primär wird dafür der Neoliberalismus verantwortlich gemacht, der viele Menschen wirtschaftlich abhängte. Aber auch die Emanzipation vor allem der Frauen hat viele traditionell eingestellte Menschen verunsichert. Damit steht die Demokratie vor großen Herausforderungen. Aber vor allem die linken und liberalen Parteien werden aufgefordert, sich wieder stärker um die Benachteiligten zu kümmern. Analysen und Vorschläge unterscheiden sich eher graduell als strukturell.

Das philosophische Radio 7.4.2017, 20.05 - 21.00 Uhr WDR 5

Sind wir zur Freiheit verurteilt?

Jean Paul Sartre war der Hauptvertreter des Existentialismus. In seiner Politischen Philosophie hat der Schriftsteller,
Dramatiker und Philosoph dem Konzept des mündigen, selbstdenkenden Bürgers den Weg bereitet.

"Gehorsam ist für sie keine Tugend mehr, Untertänigkeit vielmehr eine Schande," sagt der Philosoph und Sartre-Experte Hans-Martin Schönherr-Mann.
Entscheidend für die Entwicklung des Konzepts des mündigen, selbstdenkenden, unabhängigen Individuums hält er Sartres Theorie des Selbstbewusstseins.
Selbstbewusstsein in deren Sinne besagt, dass man eine Idee davon hat, was man sein kann – man kann sich frei entwerfen und kann entfalten und darüber
hinaus gelangen, was man ist...


März 2017

Beitrag zum "Projekt Liebe und Gemeinschaft" der Schweizer Online-Plattform für Philosophie

Was hält Gemeinschaften zusammen? Was unterscheidet "gemeinsames Spazierengehen" von nebeneinander herlaufen?
Wie lässt sich Liebe verstehen? Gibt es kollektive Handlungen überhaupt?

Mit einem Vorurteil muss man gleich aufräumen, dass die Verbindung von Liebe und Ehe eine romantische Vorstellung ist.
Die romantische Liebe vereinigt die Liebenden nämlich erst im Jenseits.....

Philosophie.ch

Dezember 2016

In: Burkhard Liebsch (Hg.), Der Andere in der Geschichte – Sozialphilosophie im Zeichen des Krieges – Ein kooperativer Kommentar zu Emmanuel Lévinas‘ Totalität und Unendlichkeit, Karl Alber, Freiburg, München 2016

Die Realität der Verantwortung für den Anderen
[Kommentar zu: Kapitel III. C. Die ethische Beziehung und die Zeit, 318-365]

Der vierte Teil von Totalität und Unendlichkeit, der mit Jenseits des Antlitzes betitelt ist, erscheint kurios und ethisch konventionell. Offenbar hängt Levinas an traditionellen Werten, Institutionen und religiösen Idealen, denen er ähnlich wie Bergson, Scheler und Marcel nur ein neues Fundament geben möchte – allerdings nach den Erfahrungen des Holocaust und der Weltkriege.
Der dritte Teil entfaltet den Begriff des Antlitzes beinahe kantianisch gegenüber Sinnlichkeit und Vernunft als den Ausgangspunkt der Ethik. Dabei übersieht er im Geist der Zeit des linguistic turn (Richard Rorty) aber gerade nicht die stiftende Rolle der Sprache. Abschnitt C. analysiert nun das Verhältnis zwischen Ethik und Totalität, d.h. den äußeren und vor allem historischen Umständen. Damit transformiert Levinas den traditionell normativen Ansatz der Ethik in den Begriff der Verantwortung, in die das Antlitz des Anderen das Individuum ruft. Dadurch erhält die Ethik ihr Fundament in der individuellen Zwischenmenschlichkeit. Die Wende der Ethik im 20. Jahrhundert, weg von der normativen Ethik, die das Individuum der Gemeinschaft unterordnet, hin zu einer individuellen Ethik der Verantwortung für das eigene Leben wie das der Mitmenschen, vollendet sich vielleicht wider die traditionellen Einstellungen des Autors.

1. Der Fokus von Totalität und Unendlichkeit
2. Allgemeine Erläuterungen zum Kapitel III. C.
3. Tod und Institutionen (Zu Abschnitt 3.)
4. Werk und Leib (zu Abschnitt 2)
5. Geschichte der Sieger (zu Abschnitt 2)
6. Krieg und Pluralismus (zu Abschnitt 1)
7. Schmerz und Geduld (zu Abschnitt 4)
8. Epiphanie des Antlitzes und Exteriorität (Abschnitt 2)
9. Unendlichkeit und Verantwortung
10. Individuum und Gerechtigkeit

Dezember 2016
In: Zeitschrift für Internationale Freimaurer-Forschung (IF), Nr. 36 2016

Nietzsches politische Philosophie als Erfindung des selbständigen, an der Politik partizipierenden Bürgers im 20. und beginnenden 21. Jahrhundert

Hunderttausende von Flüchtlingen aus Syrien vor den Toren Europas zeugen von einer gescheiterten Revolution: ein jahrelanger Bürgerkrieg, viel schlimmer als die Wiederkehr des alten Regimes in Ägypten. Die Arabellion war offenbar mehr als eine Revolte. Revolutionen gleiten bekanntlich fast immer ab. Dagegen blieben die Proteste 2013 auf dem Taksim-Platz in Istanbul eine notorisch scheiternde Revolte, protestierten die Demonstranten gegen den autoritären Führungsstil der Regierung Erdogan. Auch die Arabellion brach aus Verzweiflung aus, aber obendrein, weil viele die Diktatur nicht mehr ertrugen und weil sie demokratische Partizipation forderten. In Ägypten und in der Türkei treten viele für eine liberalere Gesellschaft ein, in der das Individuum ein selbstverantwortliches Leben führen kann, zu dem auch Religionsfreiheit gehört.

1. Die Entstehung einer partizipatorischen Demokratie seit den sechziger Jahren
2. Die Emanzipation der Minderheiten
3. Gehorsam oder Verantwortung
4. Der Widerstreit als Resultat des Willens zur Macht als Hermeneutik
5. Macht im Zeichen der ewigen Wiederkunft des Gleichen
6. Vom Chaos zur Parrhesia
7. Von der Genealogie zum ‚Denken ohne Geländer‘

Rundfunkrezension
Buch der Woche: Eike Christian Hirsch, Der berühmte Herr Leibniz – Eine Biographie, C.H. Beck, München 2016, DLF-Büchermarkt, 13.11.2016, 20 Min.

September 2016
In: SCHEIDEWEGE Nr. 46 Jg. 2016/17

Warum sollte man Flüchtlingen helfen?
Eine Suche nach Argumenten im Anschluss an Schopenhauer, Hume und Lévinas

Muss man Flüchtlingen helfen? Nein, man muss es nicht. Das gehört wohl nicht zu den höchsten Pflichten, nach Kant vielmehr zu den Liebespflichten der Wohltätigkeit, die sich eher aus der goldenen Regel speisen, also unter gewissen Umständen gelten, und nicht kategorisch aus dem Moralgesetz. Zwar schreibt Kant 1797: „Wohltätig, d.h. anderen Menschen in Nöten zu ihrer Glückseligkeit, ohne dafür etwas zu hoffen, nach seinem Vermögen beförderlich zu sein, ist jedes Menschen Pflicht.“ Aber unter der einschränkenden Bedingung ‚nach seinem Vermögen‘. Das bleibt eine Frage der Einschätzung. Wenn man obendrein das Risiko eingeht, dass einem im Notfall die anderen auch nicht helfen, dann muss man sich auch nicht gezwungen sehen zu helfen. Es gibt keinen kategorischen Imperativ: Helfe Flüchtlingen! Daher helfen viele auch nicht. Andere helfen. Warum?
Die Zahl der Flüchtlinge auf der Welt hat 2015 einen Höhepunkt erreicht: 60 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Wenn man diesen nicht helfen würde, was geschähe dann mit ihnen? Muss man folglich doch helfen? Oder sollen lieber andere helfen? Die man notfalls dafür bezahlt. Aber warum sollte man gerade in Deutschland Flüchtlingen helfen? Welche Gründe lassen sich dafür anführen?

1. Revolution oder Involution?
2. Mitleid und Mitgefühl
3. Die Schwäche des Universalismus
4. Flüchtlinge zwischen politischen, sozialen und medialen Fronten
5. Verantwortung im Angesicht des Fremden
6. Die in die Verantwortung rufenden medialen Bilder
7. Flüchtlingsbewegungen vor dem Hintergrund des Terrorismus


Rundfunkrezension
Zu:Johannes Fried, Dies Irae – Eine Geschichte des Weltuntergangs, München 2016, C.H.Beck, DLF Büchermarkt, 19.8.2016, 9 Min.

Rundfunkrezension
Juni 2016
In: Lars Distelhorst (Hrsg.), Staat, Politik, Ethik – Zum Staatsverständnis Judith Butlers, Reihe Staatsverständnisse Bd. 85, Nomos, Baden-Baden 2016

Vom Flüchtlingselend zur Emanzipation: Hannah Arendt und Judith Butler

Hannah Arendt war weder Feministin noch interessierte sie sich besonders für die Emanzipation der Frauen. Vielmehr beschäftigt sie sich gar mit einem Thema, das Vertreterinnen des Feminismus entweder übergehen oder als patriarchalische Animation betrachten, die Frauen daran hindert, sich zu emanzipieren. Über die Literatin Karen (Tania) Blixen, die unter dem Namen Isak Dinesen publizierte, bemerkt Arendt ohne mürrischen Unterton, sie sei sich darüber klar gewesen, ihren wenig familienbegeisterten Liebhaber, den Abenteurer Denys Finsch-Hatton nur durch ihre Schönheit halten zu können, nicht aber etwa durch Häuslichkeit. „Gewiss war sie ebenso begierig zu unterhalten wie Scheherazade, sicherlich wusste sie ebenso gut, dass es ihr Tod sein würde, gelänge es ihr nicht mehr zu gefallen.“
Trotzdem kann man von dieser Einschätzung Arendts durchaus eine Beziehung zu Judith Butlers provokanten Thesen über Sex und Gender herstellen. Butler durchlöchert nämlich mit ihren Anschlüssen an die postmoderne Philosophie feministische Gewissheiten über das Wesen der Frau, das sich so wenig natürlich wie kulturell eindeutig bestimmen lässt. Damit steht die Geschlechtsidentität in Frage: „Wenn wir den kulturell bedingten Status der Geschlechtsidentität als radikal unabhängig vom anatomischen Geschlecht denken, wird die Geschlechtsidentität selbst zu einem freischwebenden Artefakt. Die Begriffe Mann und männlich können dann ebenso einfach einen männlichen und einen weiblichen Körper bezeichnen wie umgekehrt die Kategorien Frau und weiblich.“

1. Die Parodie der Geschlechtsidentität
2. Die Ethik der Verantwortung
3. Die gefährdete soziale Pluralität
4. Zwischen Messianismus und Zionismus
5. Der Untergang der traditionellen Normenethik
6. Zwischen Ausnahmezustand und Urteilskraft

Juni 2016
In: Theo Hug, Tanja Kohn, Petra Missomelius (Hrsg.), Medien – Wissen – Bildung: Medienbildung wozu? Innsbruck University Press 2016

Medienbildung als politische Bildung?

Wozu Medienbildung? Um in der Ökonomie zu bestehen! Um sozial nicht abgehängt zu werden! Um den Alltag in einer zunehmend medialisierten Welt zu bewältigen! Um privat nicht zu vereinsamen, vielmehr um kommunizieren zu können, somit sein Glück zu machen! Um die Früchte der Kultur zu goutieren! Um am Gemeinwesen zu partizipieren! Diese Reihenfolge verbunden mit abnehmender Wichtigkeit dürfte auch der Wertehierarchie der meisten Zeitgenossen entsprechen, die ein postdemokratisches Zeitalter repräsentiert, in dem die Ökonomie nicht nur gegenüber der Politik einen zunehmend hegemonialen Diskurs entfaltet. Colin Crouch sieht darin „eines der ernstesten Symptome für den Anbruch des postdemokratischen Zeitalters, da der Aufstieg der Wirtschaftseliten mit einem Schwinden der kreativen Dynamik der Demokratie einhergeht.“ (2008, S. 70)
Für jene jedoch, die wie Wolfgang Streeck und Oskar Negt diese Entwicklung für eine Gefährdung des Gemeinwesens halten, könnte sich die Frage Wozu Medienbildung? mit Als politische Bildung! beantworten lassen, um dadurch dem Prozess der Ökonomisierung zu widerstreiten. Denn so Streeck: „Mit einem demokratischen Staat dagegen ist der Neoliberalismus unvereinbar.“ (2013, S. 90) Aber lässt sich das Problem so einfach wie allgemein lösen?
Offenbar nicht. Denn schon Vertreter des Neoliberalismus werden diese Antwort bestreiten: Medienbildung brauchen die Menschen aus ökonomischen Gründen. Da die Neoliberalen den Staat minimieren wollen, ist politische Bildung marginalisierbar und hat mit Medienbildung nichts zu tun. Dann zielt Medienbildung auf ein pragmatisches Wissen und technische Fertigkeiten, die primär ökonomisch verwertbar sind, so dass sich die Zeitgenossen viel stärker für Ökonomie als für Politik interessieren. Medienbildung hätte dann sogar einen entpolitisierenden Sinn, soll dann nicht politisch, sondern unpolitisch bilden. Das aber wäre genau die richtige Politik, nämlich Ökonomie als Politik: Wirtschaftslehre und Technologie als politische Bildung. Dieses Verständnis ist in der westlichen Welt heute weit verbreitet und hat unter anderem zur Ökonomisierung des Bildungs- und Sozialsystems sowie des Gesundheitswesens geführt – ein Prozess der auch weiterhin in vollem Gange ist.

Einleitung
1. Die Beziehung zwischen Medien- und politischer Bildung
1.1. Der Neoliberalismus
1.2. Autoritäre Politikverständnisse
1.3. Die Konsens-Demokratie
1.4. Die Dissens-Demokratie
2. Was ist Politik und welche Rolle spielen die Medien?
2.1. Politik als Polizei oder Verwaltung
2.2. Das deliberative Modell der Politik
2.3. Das Kriegs-Modell der Politik
2.4. Politik als Konflikt
3. Politik als Produkt von Medien: Sprache und Massenmedien
3.1. Die Medien der Sprache und der Schrift
3.2. Die Entstehung der Massenmedien
3.3. Die Zentrierung von Radio und Fernsehen
3.4. Die Peripherieorientierung des Internet
4. Wer wird politisch oder medial gebildet?
4.1. Die Ungleichheit der Menschen
4.2. Der Mensch als Zuchtwesen
4.3. Der Mensch als vernünftiges Wesen
4.4. Der Mensch als das, wie er erscheint
5. Was wird medial politisch vermittelt?
5.1. Die Rollenbildung
5.2. Der öffentliche Vernunftgebrauch
5.3. Widerständigkeit und Mündigkeit
Mai 2016
In: Rüdiger Voigt (Hrsg.) Staatsdenken – Zum Stand der Staatstheorie heute, Nomos Baden-Baden 2016

Friedrich Nietzsche (1844-1900)

Nietzsche beeinflusst einerseits ein autoritäres demokratisches Denken vor allem in Anschluss an Max Weber (1864-1920). Andererseits prägt er ein partizipatorisches Staatsdenken bei Hannah Arendt (1906-1975) und Michel Foucault (1926-1984) vor.
Sein methodischer Ansatz ist einerseits hermeneutischer, andererseits genealogischer Natur. Er geht nicht davon aus, dass man die Welt erfasst, wie sie an sich ist, sondern dass auch die Naturwissenschaften die Natur nur interpretieren. Sie verfügen über keinen unabhängigen Zugang zur Welt und ihren Sachverhalten, der eine Adäquanz zwischen ihren Erkenntnissen und ihren Gegenständen gewährleisten würde. Sie setzen sich nur deshalb durch, weil sie erfolgreich die Natur beherrschen bzw. nach eigenen technischen Strukturen umwandeln.
Daraus ergibt sich Nietzsches theoretischer Grundbegriff des Willens zur Macht, der auch die Naturwissenschaften beseelt. Interpretation entfaltet Macht, während Nietzsches eigene Position demgegenüber eine selbstreflektierende Haltung einnimmt: Er weiß darum, dass alle Interpretation selbst nur eine Interpretation ergibt, der Wille zur Macht also Interpretation ist, die um sich weiß.

Biographische Aspekte und Verhältnis zur Staatstheorie
Zur Methode: Hermeneutik und Genealogie
Nietzsches Kritik am zeitgenössischen Staat
Nietzsches nihilistische Staatsutopie
Gerechtigkeit jenseits der Macht
Die Macht mündiger Bürger
Rezeption
Mai 2016
In: Rüdiger Voigt (Hrsg.) Staatsdenken – Zum Stand der Staatstheorie heute, Nomos Baden-Baden 2016

Jacques Derrida (1930-2004)

In politikphilosophischer Perspektive trat Derrida. markant erst 1989 mit zwei wegweisenden Vorträgen in Erscheinung, die er in den USA hielt. Nicht nur dass er darin der Dekonstruktion einen originär ethischen und politischen Sinn verleiht. Weniger denn als Kritiker als im Sinne der Analyse zeigt er dabei auf, dass der moderne Staat auch als Rechtsstaat auf Gewalt beruht, die sich in revolutionären Bemühungen nicht etwa mildert, sondern verlängert.
Die Dekonstruktion soll keine Methode sein: die Durchstreichung, die Derrida von Martin Heidegger (1889-1976) als Hinweis auf den im Nihilismus fragwürdig gewordenen Sinn von Sein übernimmt, verschärft in der Dekonstruktion diese Fragwürdigkeit noch: Die Dekonstruktion stellt die Methode als solche in Frage, die den Sinn von Sein strukturell nicht mehr entbergen kann. Und trotzdem bleibt von beiden etwas übrig. Knapp ein Jahrzehnt bevor Paul Feyerabend (1924-1994) in Against Method (1975) die Methodenorientierung der Wissenschaften kritisiert, dass eine Methode immer ihre Ergebnisse vorprägt, möchte D. mit der Dekonstruktion Methoden dadurch umgehen, dass er Texte für sich selbst sprechen zu lassen versucht.

Leben und Werk
Zur Methode: Die Dekonstruktion
Die Dekonstruktion von Recht und Staat
Aporien der Gerechtigkeit
Dekonstruktion als Gerechtigkeit
Rezeption und Wirkung

Rundfunkrezension
Zu: Paul Mason, Postkapitalismus – Grundrisse einer kommenden Ökonomie, Berlin 2016, Suhrkamp, DLF Büchermarkt, 20.4.2016, 9 Min.
Februar 2016
In: Orsolya Friedrich, Diana Aurenque, Galia Assadi, Sebastien Schleidgen (Hrsg.), Nietzsche, Foucault und die Medizin – Philosophische Impulse für die Medizinethik, Transcript, Bielefeld 2016

Die Sozialmedizin als kynisches Herz der Biopolitik und der Gouvernementalität

Probleme der Medizin durchziehen Foucaults Werk von seinen Anfängen bis in seine letzten Vorlesungen aus den Jahren 1983–84. Trotzdem könnte man es für ein Randthema halten. Gemeinhin betrachten seine Interpreten die Phase der sechziger Jahre als die Zeit, in der Foucault unter dem Schlagwort Archäologie einen Zugang zur Geschichte sucht, der sich von den bis dahin üblichen historischen Methoden unterscheidet. So subsumiert man seine beiden frühen Bände Wahnsinn und Gesellschaft und Die Geburt der Klinik gerne unter die Frage nach unterschiedlichen epistemologischen Strukturen, die sich seit dem 17. Jahrhundert entfalten. Dagegen gelten die siebziger Jahre als jene der Genealogie, wenn Foucault nach dem Zusammenhang von Wissen und Macht fragt. In den Achtzigern vollzieht er vorgeblich eine Wende von der Frage der Macht hin zur Frage individueller Lebenskunst. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Probleme der Medizin ursprünglich primär nur als Anschub der Frage nach Wissensstrukturen und deren historischem Wandel und die späteren Texte zur Medizin nur noch als Nachhall seiner Anfänge.
Doch dem ist keineswegs so. Bereits in Wahnsinn und Gesellschaft stellt sich die Frage der Macht in ihrem Verhältnis zum Wissen. Macht und Wissen entwerfen aus ihrem Zusammenspiel heraus ein neues, ein modernes Bild vom Menschen als lebendigem Wesen. Die neuzeitlichen Wissenschaften verändern das Verständnis vom Menschen, und zwar primär in den Bereichen der Medizin im weiteren Sinn. Derart avanciert die Medizin zum Herz der Biopolitik und wird sogar noch in der Lebenskunst wiederkehren.

1. Die Entstehung der Macht aus dem Wahnsinn
2. Sexualität als Produkt der Medizin
3. Vom Pastorat zur gouvernementalen Medizin
4. Medizin als Polizei
5. Medizinisierung als Disziplinierung
6. Die Selbstmächtigkeit des Individuums
7. Vom kynischen zum medizinischen Interventionismus
Februar 2016
In: CONCORDIA - Internationale Zeitschrift für Philosophie Nr. 69  2016

Vom Leib zur Revolution – Maurice Merleau-Pontys politische Philosophie

Wie aber gelangt er von einer phänomenologischen Philosophie des Leibes zu einer politischen Philosophie zwischen Marxismus und Existentialismus? Doch Merleau-Ponty schließt in seiner Phänomenologie der Wahrnehmung mit einer bemerkenswerten thematischen Verschiebung an Sartres Das Sein und das Nichts an. Letzterer entwickelt in seinem 1942 geschriebenen Hauptwerk die Philosophie des Widerstandes und zwar aus individueller Perspektive – eine Zeit, die Merleau-Ponty natürlich auf ähnliche Weise erlebte. So bemerkt Bernhard Waldenfels: „Dies alles spielt sich ab auf dem Hintergrund der Kriegs- und Résistanceerfahrungen.“
Die soziale Frage, die Ökonomie oder die Kapitalismuskritik der Kommunisten spielen angesichts der nationalsozialistischen Herrschaft über Europa bei Sartre schlicht keine Rolle. 1945 dagegen ist das Thema Widerstand bereits Vergangenheit, so dass sich Merleau-Ponty von Alexandre Kojève beeinflusst die soziale Frage durchaus existentialistisch und geschichtsphilosophisch zugleich stellt: Die Wiederkehr einer Vorkriegsthematik, die nach den Kriegserfahrungen auf andere Weise diskutiert wird.

Der Leib als die soziale Dimension des Menschen
Der Leib als existentialistische Wende des Marxismus
Die revolutionäre Gewalt als moralisches Problem
Der Stalinismus als politisches und historisches Problem
Das unvermeidliche Scheitern der Revolutionäre
Die politische Rolle des Intellektuellen und die Kommunisten

Rundfunkrezension
Zu: Axel Honneth, Verdinglichung – Eine anerkennungstheoretische Studie – Um Kommentare von Judith Butler, Raymond Geuss und Jonathan Lear erweiterte Ausgabe, Suhrkamp Berlin 2015, DLF Büchermarkt, 18.1.2016, 10 Min.